Winter

Einspurige Fahrzeuge sind technologisch unterlegen.

Denn wenn sie eine Spurrinne erwischen oder sonst wie aus dem Ruder laufen, fallen sie um.

Das passiert mit mehrspurigen Fahrzeugen nicht; die können rutschen, sich drehen aber sie fallen nicht um.

Kälte => Handschuhe => weniger Halt => Handgelenke

Wegen der durch massive Minusgrade absoluten oder durch Nässe und Fahrtwind relativen Kälte bist du gezwungen Handschuhe zu tragen. Die zusätzliche Schicht vermindert Feingefühl für das bei Erschütterungen natürlicher Weise auftretende Durchrutschen der Hand am Lenker. Weil das nicht mehr bei Bedarf korrigiert werden kann, verfällt man in die nicht mehr druchrutschende aber unergonomische Haltung, die zu Dehnung an den Außenseiten und stumpfen Quetschungen an den Innenseiten der Handgelenke führt.

Weniger Grip => weniger a_{max} => Handgelenke

Schnee senkt das maximal mögliche Drehmoment. Beim Anfahren/Beschleunigen sind daher die wirkenden Kräfte begrenzt und es tritt keine sporadische Entlastung der Handgelenke mehr auf. Eine sportliche Position auf dem Rad verstärkt diesen Effekt.

Weniger Grip => weniger V_{max} => Handgelenke

Gefrorenes Wasser auf der Straße erhöht den zu erwartenden Bremsweg und begrenzt damit die verantwortbare Höchstgeschwindigkeit. Daher wird weniger Leistung in Fahrtwind umgesetzt und weniger Auftrieb am Oberkörper erzeugt, der daher durch die oberen Extremitäten aufgebracht werden muss.

Du schreibst weniger.

Weil deine Handgelenke schmerzen, versuchst du sie möglichst wenig zu benutzen.

Du bist genervter.

Weil deine Handgelenke dich in subtilen aber dauerhaften Schmerz versetzen.

Du bleibst zu Hause.

Der Gesamteindruck vom nervenden Winter lässt dich optionale Aktionen unterlassen. Wintersemester ist anders.

Es ist viel weniger los.

Auch andere meiden, mit dem Rad oder auch nur zu Fuß am Verkehr teilzunehmen. Dementsprechend sind die Straßen seltsam menschenleer.

Du kaufst da ein, wo du wohnst. Am besten zu Fuß.

Weil mit Gepäck Rad zu fahren noch mal deutlich schwieriger ist.

Du brauchst viel länger zum Anziehen.

Mütze, Schal, Handschuhe, dicke Schuhe mit entsprechend aufwändigerer Schnürung, Jacke, (zusätzlicher) Pullover brauchst du im Sommer nicht.

Du duschst wieder Abends.

Weil dir morgens die Zeit fehlt um richtig durch zu trocknen.

Du fährst Umwege.

Weil einige Straßen zugeeist/verspurrinnt/zugeschneit/verlassen sind.

Du machst dir Sorgen um dein Gepäck.

Stürze kommen vor. Was ist wann versichert? Wie fällst du so, dass nicht versichtertes Zeug nicht beschädigt wird?

Hauptverkehrshindernis sind Fußgänger und Radfahrer.

Fußgänger, weil die gerne einfach da gehen, wo geräumt ist. Egal, wessen Fahrstreifen das gerade ist. Und weil sie Fahrstreifen wörtlich nehmen, wenn sie den geräumten Bereich überqueren oder auf ihn ausweichen wollen.

Radfahrer, weil sie halt wie immer langsam fahren aber bei ungewissen Straßenverhältnissen viel schlechter zu überholen sind. Auftretender Effekt: Gänsemarsch.

Radfahrer, weil sie da fahren wo geräumt ist und sich nicht mehr Fahrstreifen halten. Das führt zu Verwirrung die nicht immer durch gesteigerte Aufmerksamkeit ausgeglichen werden kann.

Autofahrer sind deine neuen Besten Freunde.

Bei schlechtem Wetter scheinen Autofahrer dem Wetter ausgesetzten Fahrern verstärkt Respekt zu zollen. Seltsamer Gedanke.

Richtiges Einordnen an Ampeln ist unrealistisch.

Geräumt wird maximal ein Streifen und der ist meist irgendwo, jedenfalls aber nicht rechts.

Ist nicht geräumt, bildet sich eine Fahrspur heraus, die irgendwo zwischen Hollandrad-Ideallinie und wildwest-Fahrstil liegt, jedefalls aber nicht rechts.

Deine Ideallinie ist zu.

Du kennst deine Strecke und die Ampelschaltungen. Da aber kaum jemand so fährt wie du, schon gar nicht bei diesen Verhältnissen liegen auf deiner Linie Dezimeter hohe Schneehaufen. Vergiss alles, was du weißt und fang noch mal von vorne an.

Du benutzt folgende Wörter wieder:

Graupel, Hagel, Schnee, Schnee-Matsch, Schnegen, Eis, Spurrinne, Glatteis, Bus, Schneise

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