Archive for the ‘Thoughts’ Category

Gedanke am Rande zur Lage der Nation

Mai 5, 2008

Kaum wer hat wohl so schlechte Presse wie Studi-vz und doch findet man dort sogar die Hardliner-Datenschutz-Sympathisanten meistens nur etwas später, letztlich aber doch fast alle. Pessimistisch wird gern geschlossen, kümmert Datenschutz im Moment die Nutzergruppe wenig. Aber anders herum ist es doch schon mal ganz gut, dass Presse nicht all zu wichtig ist für die Entscheidung, über Nutzung und Ignoranz. Soziale Netze (als Benutzerdaten-Web 2.0-Anwendung) sind noch nicht mal eine ganze Pubertät alt, da ists wohl kein Wunder, wenn wir noch nicht wissen, wo der vernünftige Mittelweg ist. Mit Presse hingegen sollten wir etwas mehr Routine haben und das ist scheinbar der Fall. Das ist doch ein guter Anfang. 😉

Rede zu Linux für Rhetorikkurs beim BFD

Februar 1, 2008

Das freie Betriebssystem GNU/Linux

Sprechtext

 

Sehr geehrter Herr Otto,

liebe Kameraden,

geschätztes Publikum!

Im Rahmen unserer dreiteiligen Vortragsreihe zum Thema Betriebssysteme bin ich für die Vorstellung des freien Betriebssystems Linux zuständig. Mir ist durchaus bewusst, dass dies ein sehr technisches Thema ist und dass für einige die Wahl des Betriebssystems eher eine Frage des Glaubens als eine Frage von Argumenten ist. Umso mehr will ich mich um eine sachliche und ideologiefreie Erörterung des Thematik in einfacher Sprache bemühen. Für hoffentlich aufkommende Fragen stehe ich naher gerne zur Verfügung und diesen Sprechtext werde ich auf meinem Weblog veröffentlichen. Die Adresse steht an der Tafel.

An dieser Stelle sei mein herzlicher Dank an den BFD und im besonderen an Herrn Otto angebracht, die mir ermöglicht haben hier zu sprechen.

Zum Einstieg will ich über einige allgemeine Konzepte von Linux sprechen und dann aufzeigen wie ihre Auswirkungen aussehen.

Linux ist Modular aufgebaut, das heißt, jedes Programm des Betriebssystems kann nach Belieben durch ein anderes mit gleicher Funktion ersetzt oder sogar ersatzlos deinstalliert werden. Damit sich nicht jeder seine Software selbst zusammensammeln muss, wird Linux als Software-Sammlung vertrieben. Diese Software-Sammlungen werden meist von Firmen oder Stiftungen zusammengestellt und heißen Distributionen. Dieser Ausdruck leitet sich vom lateinischen “distribuere” her, das zu deutsch “verteilen” heißt; eine Distribution ist also die Form in der etwas vertrieben wird, eine Art Ausgabe.

Genau genommen bezeichnet der Markenname „Linux“ in den Distributionen nur einen kleinen kleinen Teil der Distributionen. Der Linux-Kernel, wie man diesen Teil auch nennt ist der Systemkern. Er kümmert sich um grundlegende Dinge wie die Verwaltung von Treibern, Dateisystemen und Prozessen. Um ein benutzbares Betriebssystem darzustellen, muss Software aber letztlich immer auf die Funktionen von diesem Kern zurückgreifen. Deshalb wird häufig noch im Distributionsnamen darauf hingewiesen. Auch ist mit „Linux“ meist eine bestimmte oder unbestimmte Distribution gemeint.

Diese Linux-Distributionen setzen bei der Auswahl der einzelnen Programme und ihrer Versionen jeweils unterschiedliche Schwerpunkte.

So setzen das vielleicht einigen bekannte RedHat-Linux und das neu entstandene SuSE-Enterprise-Linux, kurz SEL auf sehr alte und damit gut erprobte Software, um ein Maximum an Zuverlässigkeit zu garantieren.

Das so gennante „Damn Small Linux“, zu deutsch also das „verdammt kleine Linux“ minimiert das System auf das Nötigste und kommt so auf unter 50MB Speicherbedarf im installierten Zustand.
Dies sind alles Spezial-Lösungen für spezielle Anforderungen und wenn man so will, ist auch ein Betriebssystem für den Endverbraucher ein solcher Spezialfall, denn hier muss ein sehr komplexes System möglichst problemfrei komplizierte Probleme lösen und am Besten das alles ganz einfach.

Die Firmen, die hinter den großen Distributionen stehen verdienen häufig nur über Zusatzdienste am Vertrieb der kostenlosen Software: Wer SuSE im Laden kauft, bekommt auf einer kleinen Sammlung DVDs genug Software für die hypothetische einsame Insel und ein Handbuch dazu, dass diesen Namen nicht verdient und RedHat bietet gegen Geld Support-Lizenzen für Unternehmen an.

Aus diesen Eigenheiten von Linux resultieren viele gute Eigenschaften von Linux; eine Auswahl davon will ich ihnen nun vorstellen.

Updates funktionieren dank der Distributoren immer nach dem selben Schema: Ein Programm auf dem PC durchsucht regelmäßig den Index vom Software-Archiv des Distributors nach neuen Programmversionen und installiert diese, wenn gewünscht sogar vollautomatisch im Hintergrund. Ansonsten wird nachgefragt, ob jetzt ein guter Zeitpunkt für die Installation ist.

Lokalisierung für die einzelnen Programme läuft ebenfalls zentral über die regionalen Server der Distributoren. Viele Programme greifen auf die gemeinsame Übersetzung zurück, aufwändige Programme wie Firefox oder OpenOffice haben zusätzliche Sprachpakete.

Migration – gemeint ist hier das Wechseln von Computern oder Betriebssystemen – geht konzeptionell sehr einfach: Alle Dateien, die Benutzerdaten beinhalten liegen in einem eigenen Ordner. Liegt dieser auf einer zweiten Partition, kann auf der ersten das Betriebssystem ausgetauscht werden ohne, dass eine einzige Einstellung neu vorgenommen werden muss. Ein schöner Nebeneffekt davon ist, dass man sich selber dazu zwingt Ordnung zu halten und über jede Einstellung gut nachzudenken. – Wenn man es gut macht, hat man schließlich sehr lange etwas davon.

Treiber lädt der Kernel beim Erkennen von Hardware automatisch. – Kein separates Installieren, kein Suchen im Internet. Wo wir gerade dabei sind: Die Treiberunterstützung ist meines Erachtens nach mittlerweile als sehr gut zu bezeichnen. Ich selbst habe noch keine Hardware in den Fingern gehabt, die nicht auf Anhieb lief. Bei Neuanschaffungen sollte man sicherheitshalber aber mal im Internet nachsehen. Es gibt von den Teams, die sich um Schnittstellen zu Ein- und Ausgabegeräte kümmern ausführliche Kompatibiltätslisten. Bereits vorhandene Hardware kann man einfach mal mit einer Live-CD ausprobieren.

Spiele gibt es in großer Menge frei verfügbar. In jedem Genre lässt sich was zum Spaß haben finden. Wer seine alten Windowsprogramme weiterhin nutzen will, kann dies mit etwas Glück mit dem Windowsemulator WinE tun. Am besten geht das meist mit Software die zwar „wichtig“ ist – beliebte Spiele zum Beispiel.

Zuletzt möchte ich noch auf einige Argumente hinweisen, die eigentlich gar keine Argumente für Linux, sondern nur Fehler anderer Betriebssysteme sind, die Linux einfach nicht hat.

Untereinander inkompatible Bildformate mit Ebenen, wie sie die Grafikeditoren Corel Paintshop und Adobe Photoshop brauchen kann man mit Linux-Programmen als xcf zwischen diversen Programmen austauschen.

Defragmentierung gibt es nicht mehr, weil es Fragmentierung nicht mehr gibt. Alle modernen Dateisysteme verzichten auf Fragmentierung und lassen Platz von gelöschten Dateien einfach so lange frei, bis der Auftrag zum Speichern einer passenden Datei kommt. Heute sind Festplatten und die Anzahl der darauf befindlichen Dateien dermaßen groß, dass dieser Ansatz sehr gut funktioniert.

Viren bauen auf Sicherheitslücken, also auf noch nicht behobenen Programmierfehlern auf. Diese gibt es in Open-Source-Software grundsätzlich kaum, denn wenn jemand einen Programmierfehler entdeckt, ist es einfacher ihn zu beheben, als einen Virus dafür zu schreiben. Außerdem gibt es aufgrund der automatisierten Updates sehr schnell keine anfälligen Systeme mehr, wenn der Fehler erst einmal behoben ist.

Ich bin mir durchaus darüber im Klaren, dass man mit Linux je nach der Anwendung auch sehr falsch liegen kann, aber ich denke, für viele ist Linux einen Gedanken und einen Versuch wert, denn aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass Linux wenn man sich daran gewöhnt hat ein sehr mächtiges Betriebssystem ist.

Um den Einstieg zu erleichtern habe ich sog genannte Live-CDs von Linux-Mint mitgebracht. Von diesen kann jeder PC und jeder Mac mit Intel-CPU direkt gebootet werden. Danach hat man das System geladen, als hätte man es bereits installiert, arbeitet aber lediglich auf dem Arbeitsspeicher. Nach einem Neustart wird wieder das Betriebssystem von der Festplatte geladen und vom Rundgang durch Linux ist nichts mehr vorhanden außer der Erfahrung. Wenn eine Installation durchgeführt werden soll, geht das direkt vom Desktop der gebooteten Live-CD heraus.

In der guten Hoffnung, bei euch, geschätzte Zuhörer Interesse an Linux geweckt zu haben möchte ich mit einem Ausspruch von Mark Twain schließen, den ich ich in unserem Reader zum Kurs fand:

Menschen mit einer neuen Idee
gelten so lange als Spinner,
bis sich die Sache durchgesetzt hat.“

Vielen Dank für ihre Aufmerksamkeit.

Mensch und IT: Drei-Punkte-Plan

Mai 24, 2007
  1. mehr Standards!

    1. Jede Textvarbeitung sollten immer in ODT speichern können.

    2. Jeder Webbrowser sollte PNG mit Alpha-Kanal können.

    3. Jedes Betriebssystem sollte bei der Installation Benutzerdaten von jedem Betriebssystem übernehmen können. Es wäre unhöflich, zwar den PC für sich zu beanspruchen, aber den Benutzer, dessen Daten vorher auf ihm waren nicht ebenso aufzunehmen, wie der PC es nun mit dem neuen Betriebssystem tut.

  2. mehr Aufklärung!

    1. Datenschutz ist nicht nur ein Thema für den Informatikunterricht, sondern sollte von vielen Menschen durchdacht werden. Das Creative Commons hat gezeigt, dass hier für weite Bereiche von Content noch keine klare Linie (wie z.B. bei Software – 60% GPL) – und damit kein Standard – existiert.

    2. Weil unsere Welt immer schneller und immer brutaler wird, müssen Menschen stärker werden. Nicht nur eben gerade stark genug, um sie zu ertragen, sondern stärker, als sie um sie zu gestalten, um ihr Schöpfer, nicht ihr Sklave zu sein. Wir bestimmen die Welt, in der wir leben. Dies kann erreicht werden, in dem man den Menschen mehr über sich wissen lässt, in dem man ihn nicht nur abstraktes Wissen über seine Psyche oder seine Biologie an die Hand gibt, sondern auch praktisches über sich selbst, in dem man ihm eine Geschichte gibt, die Geschichte von der Entstehung seines Selbst.

    3. Es muss akzeptiert werden, dass die IT nicht einfach nur da ist, und nun gedultet werden muss, sondern dass sie nötig ist, um mit der von ihr selbst mit ausgelösten Beschleunigung der Welt Schritt zu halten. Diese Welt braucht für ihr Tempo IT und die Menschen brauchen für sich wegen dem Tempo der Welt die IT.

  3. Bessere Programme!
    1. Es braucht für eine PC-Erfahrung, die sich auch solche nennen darf, ohne dass das verhätschelnd klingt, massiv bessere Software.

    2. Es muss sich durchsetzen, dass an Programmen nicht nur Programmierer arbeiten, sondern Nicht-Programmierer sicherstellen, dass die Brücke zwischen Programm und Problem geschlagen wird. Es muss Wissen um die Problemlösung, wie um die Problemwahrnehmung in Programme gegossen werden.

    3. Ein Programm muss nicht nur „tun, was es soll“, sondern dem Benutzer zeigen, was Sache ist. Programme müssen sich von Befehlsempfängern zu intelligenten Gehilfen auswachsen, die dem Benutzer helfen, Situationen zu verstehen, wenn er sie angeht.

    4. Mit steigender Komplexität der Programme sollte aber deren GUI simpler und universeller werden. Eine simple Formensprache auf dem künstlerischen Kontext der Zeit kann den Nutzer leiten, und ihn auch, wenn sich dieser mit neuen Problemen konfrontiert sieht, einen gewohnten Rahmen bieten. Heute ist es eher anders herum: Die Programme machen häufig sehr Ähnliches nur mehr oder minder schlecht und sehen dabei möglichst unterschiedlich aus.

Google – Ja, Mutter.

Februar 25, 2007

Eins vorweg: Ich bin echt sauer. Mal so richtig.

Google hat seit neuestem (ca. 2 Wochen jetzt) vor die Verlinkung von Websites eine Abfrage eines Index geschaltet. Das ist eine Methode, wie z.B. China und dort besonders Yahoo benutzt um damit das Internet im großen Stil zu filtern. Denn was nicht durch Suchmaschinen gefunden werden kann, ist praktisch nicht erreichbar. Es wird eben nicht gefunden.

Ich will Google nun nicht Zensur vorwerfen, denn zum einen ist es nicht der Index von Google, sondern der einer Organistion namens Stopbadware.org und zm anderen wird der Zugang nicht verwehrt, sondern nur um einen Klick zu Bestätigung, dass man die Seite auch tatsächlich aufrufen will gebeten. Aber trotzdem: Das ist genau die Art von Service, die ich von einer Suchmaschine nicht will. Ich will eine berechenbare, reinmaschinelle Suche. Für die sozialen Systeme wie Tagging gibt es einschlägige Seiten wie Del.icio.us oder Mr. Wong. Diese bereiten Content mit hilfe von menschlicher Intelligenz auf. Eine Suchmaschine sollte das nicht tun.

Zum einen schwächt das das Profil von dem Service selbst, zum anderen macht es ihn chaotisch. Ab jetzt und im Kommenden ist Google nicht mehr eine automatisierte Websuche, sondern eine semi-soziale Suchmachine. Es ist zwar noch klar, woher der Link und der Pagerank kommt (nämlich aus einer automatisierten Durchsuchung des Internets durch Crawler und durch die Zuordunung von Links zu einer Seite). Nicht aber, ob und warum einige Seiten (undicht) blockiert werden und andere nicht.

Das ist eine Art Bevormundung, die ich von einem Service wie google nicht erwarte und mehr noch: Nicht will. Ich denke, jeder sollte selber die Verantwortung für seine Taten tragen und wenn er das nicht kann, diese Verantwortung an andere übertragen. Das hat aber nicht auf globaler Ebene, also nicht bei der von allen genutzten Suchmaschine zu passieren sondern bei den Menschen selbst. Wer mit seinem PC nicht umgehen kann, der muss sich eben bei Papa auf den Schoß setzen oder dem Enkel das Superuser-Passwort geben.

Ich denke, was Google hier macht ist, auch wenn es noch so unanfechtbar nach einer Hilfe aussieht trotzdem eine Hilfe, die kontraproduktiv ist. Sie erzeiht den Benutzer hin zu einem der sich auf den Schutz verlässt, der sich mit der Gewissheit in Gefahren begibt, dass er beschützt wird. Was aber wenn er mal nicht Google benutzt und gleichsam seinen PC mit Spy- und Malware zumüllt? … Dann ist der Ofen/PC recht flott aus. Einen so unbedarften und so auf Hilfe angewiesenen Benutzer kann das Internet nicht wollen, denn er wird sich wesentlich länger an „Mama Google“ halten und die Kontrolle über den eigenen PC lange und weiten Bereichen an andere abgeben. Ein mündiger Bürger oder ein mündiger PC-Nutzer wird man so nur schwerlich.

Außerdem gilt auch hier wieder das OS-Pluralismus-Argument:
Nicht jedes Betribsystem ist für die gefilterten Programme anfällig. Unter Linux z.B. besteht die Möglichkeit, dass ein Programm, dass der Benutzer ausführt gefährliche Änderungen am System vornimmt oder Daten sammelt und verschickt (z.B. Trojaner) schon aus konzeptionellen Gründen nicht. Auch dürfte heutzutage jeder Win-PC, der Internetzugang hat einen Virenscanner haben, der Dateien von den Ausführen prüft.

Ich denke, mit der Implementierung von Stop-Malware in die Google-Links hat Google einen Schritt gemacht, den sie nicht hätten tun dürften. Es trifft die Falschen und erzieht die richtigen zu was Falschem und ist damit im jeder Hinsicht negativ. Das einzige, was sich daran postives finden lässt dürfte in Hinblick auf die Medienwirkung sein, dass Google nun „Verantwortung“ für den präsentieren Content über nimmt und als „Gegenleistung“ zum vereinfachten Zugang nun auch entsprechenden „Schutz“ bietet.

Schutz den keiner braucht, Verantwortung die keiner zu weit wegschieben sollte, eine Gegenleitsung, die keiner will.

Ich für meinen Teil nehme mir das Recht als mündiger Nutzer von der Suche, den anderen (Webmaster-) Tools, zwei eMail- und zwei Jabber-Accounts Google aufzufordern, mir den Zugang zur bisherigen Nutzung wieder zu ermöglichen. Wenn sich dafür keine Möglichkeit findet, werde ich Google nicht mehr nutzen.

A Scanner Darkly – Erster Durchlauf

Februar 11, 2007

Ein sehr interessanter, wenn auch wegen der nicht vorhandenen Lokalisierung sehr anstrengender Film.

Für heutige Verhälnisse sind Spezialeffekte geradezu minimalistisch eingesetzt; das Geld ging dann wohl in die Post-Produktion. 😉

Die neue Technik funktioniert zwar nicht immer gut, in manchen Situationen aber sogar besser, als natives Filmmaterial (Wenn z.B. Autos schnell durchs Bild fahren, interpretiert die teilweise überdeckte Szene im Hintergrund der Renderer und lässt sie so die ganze Einstellung durch still stehen und legt lediglich die durch Bewegungsunschärfe verzogenen Autos darüber … sehr angenehm.)

Million Dollar Baby – Neureich

Dezember 22, 2006

Grandioser Film … zu groß für einige meiner Art.

Gedanke am Rande: Vor dem Recht sind alle anders.

Lord of War – zweiter Wareneingang

Dezember 11, 2006

Gestern mal wieder … leider war WordPress.com wegen Wartungsarbeiten down, also erst jetzt hier.

Bemerkung:
Der Zuschauer kommt kaum umhin, Yuri Orlov, den Mann mit dem wohl verwerflichsten aller Berufe zu mögen. Wir bekommen in persönlicher, wie netter und humorvoller Art und Weise das Metier erklärt und folgen seiner Lebensgeschichte ein wichtiuges Stück weit; wir können uns mit ihm identifizieren, weil er so menschlich bleibt, so kämpferisch, sich den Rückschlägen stellend, am Limit seiner Möglichkeiten agierend.

Wir finden den Waffenhändler sympathischer als den rechtschaffenden Cop.

Nun, was können wir damit anfangen? Ganz einfach: Yuri Orlov, aufgewachsen in einer – selbst so genannten – „Endstation“, in Verhältnissen, die ihm als Perspektive kaum mehr als die Übernahme des elterlichen, drittklassigen Restaurants bieten schwingt sich auf, etwas aus seinen Leben zu machen … etwas „Großes“ sollte es sein. Dabei war zweitrangig, was das denn nun genau werden würde, nur raus, nur eine Perspektive, nur Betätigung in dem was man tut … Alles das fand Yuri im Waffenhandel. Wenn auch erst im ganz kleinen Stil, treibt ihn das Prinzip „Wenn schon denn schon.“ dazu, selbst diese schwierige Arbeit im großen Stil zu betreiben, sich im Geschäft zu etblieren, „gut“ in dem zu sein, was er macht.

Yuri Orlov macht, was ihm sein Umfeld, seine Welt anbietet … er findet nicht, was er gesucht hat, sondern, was verborgen lag … und nimmt sich, was er kriegen kann. So gesehen, darf sich jeder ein wenig mit ihm identifizeren, denn wir alle können nur tun, was uns unser System erlaubt. Wir können kaum besser sein, als das, was wir als „Gut“ kennen, wir können kaum stärker werden, als was wir als „Stark“ kennen und wir können nur so erfolgreich werden, wie wir „Erfolg“ kennen. In einer Welt ohne Krieg, ohne Überschuss an Waffen, ohne Wegsehen der Ersten Welt Afrika gegenüber, ohne Perspektivlosigkeit hätte Yuri auf andere Art wirtschaftichen Erfolg gehabt … den hätte er sich schon geholt. Also sind wir, wir Mitmenschen, wir Gesellschaft, wir politsch, wirtschaftlich und kulturell gestaltenden, wir alle gefordert, eine Welt zuschaffen, in der engagierte Leute nicht in Illegalität und unmoral getrieben werden, sondern vom System einen „geraden“, einen guten Weg suggeriert bekommen.

Amen.

„Kopien brauchen Originale“-Kopie

Dezember 4, 2006

Auch wenn die Kampagne schon etwas her ist und die neue Novelle des deutschen „Urheberrechts“ im Netz und der Öffentlichekti nicht mehr sonderlich heiß diskutiert wird, ein Nachschlag: Kopien brauchen Originale

Ich hab mir mal die Mühe gemacht, nach zuschlagen, was denn dieses ominöse „Original“ sein soll. … Was Kopien sind ist klar: Alles an digitalem Material, was durch stumpfes Kopieren vervielfältigt wurde. … Was aber ist das Original?

Wiki hält das Original, für die von Künstler geschaffene Version … als praktisch den direkten Output, das was der Künstler meint, wenn er sagt, er sei fertig damit. Die Final. Das klingt mir einleuchtend. Was ich aber nicht vertehe ist, warum nun Kopie und Original Gegensätze sind. Nach dieser Definition ist eine vervielfältigte Datei immer noch das Original. Schließlich enthält sie exakt die selben Daten, der Künstler würde sie sein Werk nennen, auch wenn seine Defragmentierung die Datei mittlerweile an eine anderen Stelle der Festplatte kopiert und dann die ursprünglichen Daten gelöscht hat.

Also: Was soll das?

Es geht nicht um Kopie oder Original, denn selbst gekaufte Daten sind Kopien und keine Originale. Es geht darum, ob die Kopie dessen Besitzer man ist, rechtmäßig erworben ist. … Und ob das so ist, ist ein künstlich geschaffener Wert und hat mit der Datei selbst nichts zu tun.

Nennt das Runde rund und das Eckige eckig
– Konfuzius

Diesen Post widme ich Hilde Domin, deren Kommentar zum Thema Freiheit, der – wie oben vorgeführt – sehr meiner Denkweise entspricht und mir mal ne gute Deutsch-Note gebracht hat: http://www.gutmann.gmxhome.de/domin.htm ^^

La Fonera … Aber warum ich?

Dezember 2, 2006

Für die, die’s noch nich wissen:

Fon, ein kleines spanische Start-Up-Unternehmen schickt sich mit der Hilfe von Google und Skype an, der größte Hot-Spot-Anbieter der Welt zu werden. Klassischer Weise werden Hotspots von einzelnen, nicht organisierten Betreibern wie Internet- oder auch Telekommunikationsanbietern betrieben. Dieses Prinzip hat aber zwei wesentliche Nachteile: Zum einen muss sich so jeder Betreiber selbst um seine Rechts- und Finanzlage kümmern und zum Anderen resultieren daraus eine gering Verbreitung der Hotspots und unübersichtliche Preispolitik. Damit sind beide Seiten suboptimal bedient.

Fon hingegen geht vom anderen Ende her an das Problem heran. Nicht für Notebook-Besitzer mit Bedarf für Internet wird ein Zugang geschaffen, sondern der Internet-Zugang von Notebook-Besitzern wird geteilt. Praktisch wird dieser Ansatz so umgesetzt, dass im Modell „Linus“ jeder, der seine Internet-Verbindung für andere zur Verfügung stellt, andere von anderen zur Verfügung gestellten Internetverbindungen nutzen kann. Klingt kompliziert, ist aber ganz einfach:

Wer shart, bekommt eine Gegenleistung aus der Community.

Ihren Profit machen die Unternehmen dabei auf unterschiedliche Weise:
Fon selbst bietet „Aliens“ also Leuten, ohne freigegebene Internet-Verbindung an, sich für 3€/Tag in jeden als „Bill“ betriebenen Hotspot einzuwählen. Bei diesem darf der Bill seinen Zugang über Fon vermieten, und bekommt 50% der Einnahmen ausgezahlt.
Google will mehr Leute öfter ins Internet bekommen. Die einfach Rechnung: Mehr Internet-Nutzung führt zu mehr Google-Nutzung. ^^
Skype will durch möglichst flächendeckende WLAN-Verfügbarkeit sein Skype-fähiges WLAN-Handy pushen. Skype-zu-Skype-Gespräche bleiben zwar wie auf den Software-Clients kostenlos, aber ins Festnetz/zu anderen Handynetzen werden Gebühren fällig, in denen eine kleine Gewinnspanne enthalten ist.

OK, OK. Das Prizip ist also besser für alle, aber es ist immer noch kommerziell!

Ja, stimmt. Aber:

1. Ist es längst nicht mehr so kommerziell wie vorher, da die Interessen der Sponsoren / Teilhabern nicht auf den Hotspot selbst gerichtet sind, sondern auf Mehrwertdienste. Dadurch rückt auf diesen Fairness und maximale Verbreitung in den Fokus. Lediglich Fon als eigentliche Firma hat Interesse an den Hotspots. Dieses ist aber klein, da das Geld zum aller wesentlichen Teil nicht aus eigener Tasche kommt, sondern von den Geldgebern und sich relativ schnell rentieren wird.

2. Die Fonera (der subventionierte Router) ist potentiell hackbar … es gab schon entsprechende Versuche, die aber durch flotte Updates der Firmware seitens Fon unnütz gemacht werden konnten.

Das leitet zu einem weiteren Problem: Die zentralistische Software-Struktur. Die WLAN-Router schauen über die freigegebene Internetverbindung von Zeit zu Zeit auf dem Master-Server nach Updates und installieren diese selbstständig. Eine sehr bequeme Lösung, die aber auch die Gefahr von Machtkonzentration birgt. Man stelle sich vor, in einer Welt in naher Zukunft die für die Kommunikation zu wesentlichen Teilen auf Skypefons setzt hackt sich jemand in den Masterserver und setzt nen Link auf seinen eigenen … Binnen einiger Stunden wären ein paar hundert tausend WLAN-Router mit seiner Firmware unterwegs.

So viel Macht gehört einfach nicht auf einen Server.

3. Da sich der Aufbau eines WLAN-Netzes sehr schnell lohnen wird, wird auch der Ausbau sehr schnell gehen, da Kapital aus Überschüssen in eigentlich unrentable, aber die Qualität des Services steigernde Hotspots z.B. in ländlichen Gebieten gesteckt werden kann. Wie auch immer die langfristige (immerhin als weltweit angekündigte) Strategie aussehen wird, darf wohl davon ausgegangen werden, dass die privaten Hotspots irgendwann auch von den Benutzern verwaltet werden dürfen. Zum einen ist genügend Kompetenz vorhanden (siehe z.B. privat betriebene Repositories), zum anderen spart sich Fon so sogar die Verwaltungskosten für eigene Server. – Und andere evtl. auch; Bittorrent (Azureus) kommt schon heute völlig ohne Server aus, in dem es diesen verteilt.

Ich halte daher das Fon-Projekt für einen kommerziellen Weg zur Erschließung von Neuland, dassauf lange Sicht in Hände der Community gehört und deswegen auch dort landen wird.

4. Dieses „Neuland“ ist übrigens auch von juristischer Relevanz:
Mit der Freigabe der eigenen Internetverbindung tritt auch die Gafahr auf, dass andere mit einer anderen Philosophie und Rechtsauffassung als man selbst im Internet tätig werden. (hübsch ausgedrückt, was?) Das kann auch Straftaten wie z.B. das Hochladen von rechtliche geschütztem Material beinhalten. Die Frage die sich dabei auftut ist, ob nur der (im Fall einer ungeloggten Anmeldung an eine Fonera kaum zu indentifizierende) Straftätige belangt werden kann, oder ob der Eigentümer der zur Staftat benutzten Leitung ebenfalls zumindest insofern belangt werden kann, als dass man auf Unterlassung klagt.

Im bisher einzigen Fall eines großen Musiklabels gegen eine Mutter und ihren Sohn ist das Gericht in erster Instanz und ohne Berufung zu dem Schluss gekommen, dass die beiden zwar ihren eigenen Angaben entsprechend unschuldig waren, die Straftat begangen zu haben, aber trotzdem ihr WLAN gegen unbefugte Benutzung absichern müssten. Das Urteil des Gerichts ist unter dem Aspekt, dass die Absicherung lediglich nicht erfolgte, weil die Verschlüsselungsfunktion vom Router/AP wie in vielen Fällen schlicht nicht aktiviert wurde.

Für das Weglassen der Verschlüsselung bestand außer Bequemlichkeit / mangelndem Fachwissen / Einarbeitungbereitschaft aber kein weiterer Grund. Im Fall vom Fon-Projekt hingegen schon; hier soll die Verbindung ja gerade freigegeben werden. Ohne Verschlüsselung, ohne (Rückschlüsse auf die übermittelten Daten ermöglichendes) Logging. Also praktisch (zumindest solange sich Fon an ihre Datenschutzrichtlinien hält) (für Dritte) anonym.

Damit (und mit der bald sehr steigenden Popularität) ergibt sich eine Verschiebung der Situation. In dem Moment, wo gesellschaftlich akzeptiert ist, dass private Internetzugänge (fast) frei nutzbar gemacht werden, (wie es heute im LAN schon mit der Mehrheit DSL-Zugängen der Fall sein dürfte) wird aus dem Unsicheren WLAN ein Teil der (oberen) Internet-Infrastruktur und aus dem DSL-Anschluss-Inhaber ein Provider. Ebenso wie Provider nicht für Straftaten ihrer Kunden belangt werden können, weil das Durchleiten von Daten über große Distanzen gesellschaftlich akzeptiert ist, müssten auch Klagen wegen Urheberrechtsverletzungen nicht mehr an den Anschlussinhaber, sondern an seine Mitsurfer gehen.

Da Fon die Kunden zwar identifiziert, um sie zu authorisieren, von ihren Datenverkehr aber nichts mitbekommt, ist dies meines Erachtens nach unmöglich. Damit wäre die Belangbarkeit von Urheberrechtsverletzungen und ähnlichen Straftaten, die im Internet verübt werden praktisch aufgehoben.

*huch* Internet mal wieder als rechtsfreier Raum?!?
Nicht gerade, was gesellschaftlich akzeptiert würde.

Aber andersrum:
Würde man Fon bzw. die Betreiber von Foneras oder beide in Kobination rechtlich dazu zwingen, sämtlichen Verkehr ausreichend zu loggen und entsprechende Hintertürchen für Behörden einzurichten wie es evtl. bald (mit Inkrafttreten der Vorratsdatenspeicherung) Provider müssen, liefe das auf einen krassen Anstieg der Überwachungsmaßnahmen hinaus, deren Logik zufolge auch andere halböffentliche Infrastruktur wie z.B. Straßen überwacht werden müssten.

Es stellen sich die Alternativen Überwachungsstaat und Anarchie.
Ich wähle Fonera.

Das Parfum

September 21, 2006

Gestern Abend wars mal wieder so weit … Kommerzielle Kultur war angesagt. Der Deutsch-LK geht ins Kino. Naja … Zum einen war die Veranstaltung nicht für alle zwingend, weil einige Mitglieder unseres kleinen Leistungskurses den Film bereits gesehen hatten und wir uns eh nicht als Kursthema damit auseinandersetzen, sondern das Buch lediglich „gemeinschaftlich“ gelesen haben. … Eigentlich sollte auch mal ein Treffen von uns Literaturfachleuten statt finden, aber das musste wegen terminlichen Schwierigkeiten ausfallen.

Mal wieder im Kino

Nun ja, jedenfalls stand gestern Kino auf dem Plan. Verplant, wie ich nun mal bin, stand ich aber natürlich vorm falschen Kino. Hab mir aber auch nix weiter was draus gemacht, denn die Besprechung muss aufgrund des nächtlichen, unter der Woche liegenden Termins eh zu anderer Zeit als direkt im Anschluss statt finden und außerdem kugt man Filme ja eh nicht wirklich gemeinsam. Man sitzt zwar zur selben Zeit im selben Kino, letztendlich ist die Kommunikation aber gleich null und das Erlebnis wäre auch in anderen Kinosäälen mit anderen Menschen um einen rum nicht wesentlich verschieden.

Werbung im Kino

Ich bin also in der Beziehung nicht sonderlich anspruchsvoll, möchte ich behaupten auch 35 Minuten Werbung finde ich nicht sonderlich störend. Im Gegenteil: Gut gemachte Werbung kann man sich doch gerade im Kino auch gut ansehen. Malboro z.B. sieht echt gut aus … Und nur weil ich audio-visuell genieße, heißt das noch lang nicht, dass ich deswegen auch anfangen muss zu rauchen. Echt OK.

Über was ich meinen Unmut aber dann doch zum Ausdruck bringen möchte, ist dass auch ein Spot gezeigt wurde, der mir auch im Fernsehen schon aufgefallen ist. … Vllt. ist der bekannt … Es geht im wesentlichen um die Faszination die Kino aus macht, die gesellschaftliche Funktion des Konsums mit anderen und letztlich darum, dass Kino einfach toll is. So endet der Spot auch mit den Worten „Kino. Dafür werden Filme gemacht.“

Ein echt gut gemachter Spot, tolle Message und treffend auf Kino bzw. Film-Kunst gemünzt, aber im Kontext der Oldenburger Kino-Situation wirkt er fast zynisch. Denn Filme werden in aller Regel mit 24 (Kino-Standard), 25 (PAL) oder (für den NTSC-Standard) mit 30 Bildern/Sekunde „gemacht“, das größte Kino in Oldenburg spielt aber nur auf 18 FPS heruntergerenderte Versionen. Klartext: Es hält sich nicht an den Kino-Standard und kann daher nicht auf kostengünstige und gute Massenware zurückgreifen. Das Ergebnis ist, wie zuerwarten, dass die Bildqualität bescheiden ist.

Das Problem mit dem downsampling ist, dass man nicht einfach jedes vierte Bild heraus schneiden kann, weil sonst der Eindruck entsteht, der Film würde nicht gleichmäßg schnell ablaufen. Also müssen die Bilddaten von vier Bildern auf drei umverteilt werden. Dabei entstehen aber Artefakte, weil jedes neue Bild aus zwei alten zusammen gesetzt werden muss, die bei bewegten Situationen aber sehr unterschiedlich sein können, womit die Details von beiden Bildern verschwinden und nur grobe, unscharfe Konturen sichtbar bleiben.

Ähnliches gilt für das prinzipiell bedingte Spektrum von analogem Material. Wie vllt. schon aufgefallen, sehen Filme, die man auf DVD o.ä. am Rechner gesehen hat, im Fernsehen vergleichsweise schlecht aus. Besonders dunkle Partien, und Details im Schatten oder Halbdunkel kommen nicht richtig raus. Das leigt IMHO daran, dass das Signal analog übertragen wird und so geringe Lichtmengen im Bild auch geringen Strommengen im Kabel entsprechen. Aufgrund der Dämpfungseigenschaften von Kabeln sinkt der Detailreichtum damit proportional zur Leitungslänge.

Fernsehn -> Shit
Kino -> Shit
Schade.

Bei digitaler Verarbeitung hingegen liegt für jedes Bit die gleiche Spannung an. Nämlich die volle oder schlicht keine. Damit sind Verluste praktisch nicht vorhanden, solange eine Verbindung vorhanden ist. (Durch Korrekturmaßnahmen sind durchaus Toleranzen drin, in solchen Fällen treffen die Verluste aber gestreut sämtliche Bit-Ebene) Weiter wird der Farbwert für jedes Pixel Logarithmisch auf ein paar (so 6-32) Bit aufgeteilt, das hat zur Folge, dass das erste Bit für die gröbste und das letzte für die exaktestese Einordnung der Farbe des Bildpunktes zuständig ist. Somit sind die Infos gelcihmäßig verteilt und werden geleichwertig behandelt. Nichts fällt unter den Tisch.

Digitales Bildmaterial speichert Details so gut wie Grobes

… Also da fühle ich mich mit meinem 17″er mit gutem Material (DivX/XviD, 720i) doch wesentlich besser bedient. Für 7€ will ich nicht über Qualität quatschen müssen, ist das denn so schwer?